Archiv für März 2015

Perversionen aus dem beschädigten Leben

Dass die Modernität die Mechanisierung ritualisierter Handlungsabläufe vorantreibt, die im Sinne der Entmoralisierung humanoider Grenzgänge stattfindet, ist an sich glasklar. Verdinglicht und der kapitalistischen Verwertbarkeit unterworfen, lag die Moral auf dem Boden der materialistischen Tatsachen und winselte, während am Horizont Europas der Faschismus hereinbrach.
Doch wollen wir uns in diesem Moment nicht mit den Trübseligkeiten unserer unmenschlichen Geschichte beschäftigen, sondern mit den moralischen Gesichtspunkten der Mechanisierung ritualisierter Handlungsabläufe alltäglicher soziologisch-psychosozialer-sozialpsychiatrischer-kulturwissenschaftlich-kultursoziologischer-kulturpychologischer-kulturpsychosozialer Prozessierungskonkretisierungsmarkanter Vollzugsabläufe. Wenden wir uns dafür einigen, uns aus dem Alltag wohlbekannten Situationen zu, so erkennen wir in diesen beispielsweise kultursozialtherapeutische, durchkaptitalisierte, vom Individuum krankhaft verinnerlichte, pseudosoziale Affekthandlungen, die Rückschlüsse auf den Kern der Gesellschaft und damit ihre allgemeine kulturalistische Verdorbenheit erlauben.
Aber ist dabei nicht auch eine geographische Perspektive des objektiven Betrachters von Nöten?
Ist nicht, eine eurozentrische Perspektive Voreingenommenheit im Präzedenzfall entscheidend zur Bewertung der kultursozialtherapeutischen Entscheidungen?
Begeben wir uns, zur Unterstützung dieser Hypothese, an den Äquator. Nun umgibt den Schreiber eine tropische Wärme, die das Umdenken schulen soll.
Oder, wie Freud schon sagte: Das Über-Ich und das Ich und teilweise auch das Es kollidieren, fusionieren in einer hitzigen, urknallgleichen Explosion, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hatte. Dem Forscher ist es auf diese Weise möglich, die prekäre Lage des Vorfaschismus mit kühlem Blick und klarem Verstand vollends zu durchleuchten.
Aber offensichtlich erschwert die tropische Hitze äquatorialer Gefilde freudianisches Denken. Deshalb begeben wir uns zurück in unsere frostigen Produktionsstätten europäisch-kapitalistischer Großbetriebe, in denen Faschismus und Vorfaschismus – oder korrekter fachlicher Terminus: Präfaschismus – keimen. In Keimstätten moralzerfressener, Über-Ich feindlicher wuchernder Es.
Die Beschreibungen des proletarischen Alltags, die wir diesbezüglich im zweiten Kapital-Band vorfinden, machen es deutlich: Wir sind zerfressen von unserer eigenen, vom Postmodernismus banalisierten, nihilistischen Unvernunft, die durch die Abstraktion der Sexualtriebe in die Welt getreten ist.
Ganz offensichtlich bedingen sich diese Tatsachen sowie das Wenden der Schneekugel das Herabfallen der Flocken darin bewirkt, so dass für den kritischen und aufmerksamen Betrachter der Eindruck eines regelrechten Schneesturms innerhalb der Glaskugel entsteht.
Doch sprechen wir ehrlich zu uns selbst sowie bereits das Kind weiß, dass in der Kugel kein wahrer Schneefall herabrieseln kann:
Die unaufhörliche Mechanisierung der Ewigkeit macht einen Ausweg vom schwer verbarrikadierten Treibpfad hin zum Faschismus unmöglich.
Jede Wendung gegen unser Schicksal ist zum Scheitern verurteilt.