Verlängerte Raum-Zeit-Kritik

Gestern hat mir jemand in netter Runde, bei einem Gläschen Wein die Welt erklärt und es folgte ein Erkenntnissprung, der seines Gleichen sucht. Jahrhundertelang versauerte ich zwischen Buchseiten und Regalen, fragte bei jeder Kleinigkeit „warum“ und „wieso“, hatte nachgedacht und mir den Kopf zerbrochen, weil ich an die Komplexität dieser Welt glaubte, weil ich davon mehr überzeugt war als von allen anderen scheinbaren Tatsachen. Doch am Ende unserer Unterhaltung musste ich schließlich einsehen, dass ich die ganze Zeit blind und dumm war, dass ich permanent die Augen vor dem so Offensichtlichen verschlossen hatte. Ach jeh, war mir das peinlich! Glauben Sie mir, lieber Leser, Sie können sich das Debakel gar nicht vorstellen!
Es begann alles mit einer kleinen Erklärung meiner Selbst und meines Fachgebiets. Ich forsche beziehungsweise forschte bis zum gestrigen Tage zu Gravitationsfeldern in Doppelsternsystemen, ein bis dato ungeheuer wichtiges und interessantes Thema für mich, da es in diesem Zusammenhang nicht nur um das Verständnis anderer Sternsysteme geht, sondern auch um das Verständnis der Welt, die uns täglich umgibt. So tauchen beispielsweise immer wieder diverse Alltagsphänomene auf, die mit Hilfe der Lösung dieses Problems durchaus erklärt werden könnten, doch ich möchte mich an dieser Stelle und zu Ihrem Wohle, lieber Leser, gerne kurzfassen, denn wie bereits zuvor angedeutet, änderte sich mein bis zu diesem Zeitpunkt mühsam aus einzelnen Bruchstücken zusammengesammeltes Weltbild nur wenige Sekunden später.
Es mache überhaupt gar keinen Sinn sich mit den Gesetzmäßigkeiten und möglichen Widersprüchen von Gravitationsfeldern zu beschäftigen, so mein Gesprächspartner, da schließlich eh eines Tages das Universum implodiere und die Schwerkraft so durch das Ende von Raum und Zeit zu existieren aufhöre. Magisch! Ich kam mir im Handumdrehen unglaublich ungebildet vor. Was für ein mächtiger, mächtiger Gedanke! Die Magie einer Theorie, die sich sorglos über alles in diesem Moment Geltende hinwegsetzt, mich mit einem Schlag in akademische Höhen schießt und das Übel am Ende erträglich macht. Schön, dass wir darüber gesprochen haben: Scheiß auf Gravitation und Doppelsternsysteme!

Nana


1 Antwort auf „Verlängerte Raum-Zeit-Kritik“


  1. 1 Kot 17. Dezember 2014 um 13:57 Uhr

    Haha. Sehr gut! :-)

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